
Beim Thema Auswandern denken die meisten zuerst an Länder wie Spanien oder die USA. Dabei muss man gar nicht so weit in die Ferne blicken, um sich ein neues Leben aufzubauen. Die Schweiz liegt sozusagen vor der Haustür und lockt jedes Jahr Tausende Deutsche an – nicht nur Urlauber, sondern auch Auswanderer. Die Gründe sind überzeugend: Die Gehälter sind besser, der Alltag ruhiger, und die Lebensqualität hoch. Und wer in die Deutschschweiz zieht, muss noch nicht einmal eine neue Sprache lernen.
Wer diesen Schritt wirklich gehen will, braucht vor allem eines: einen Job. Auf spezialisierten Seiten für Jobs in der Schweiz findet man nicht nur Stellenangebote, sondern auch praktische Hinweise rund um Bewerbung und Einstieg als Deutscher.
Mit einem deutschen Pass hat man es hier relativ einfach. Dank eines Abkommens zwischen der EU und der Schweiz darf man einreisen, arbeiten und sich dort ohne großen bürokratischen Aufwand niederlassen.
Wer länger als drei Monate bleibt, braucht allerdings eine Aufenthaltsbewilligung und muss sich innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft bei der zuständigen Gemeinde anmelden. Mit einem Arbeitsvertrag in der Hand ist das meist kein Problem.
Was man allerdings im Hinterkopf behalten sollte: Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen, die in vielen Dingen ihr eigenes Süppchen kochen. Was in Zürich gilt, kann in Basel oder Bern schon wieder ganz anders sein.
In vielen Berufen sind die Gehälter in der Schweiz erheblich höher als in Deutschland. Wer in der IT, im Ingenieurwesen, in der Medizin oder im Handwerk arbeitet, hat auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sehr gute Karten. Fachkräfte werden gesucht, das ist ähnlich wie in Deutschland.
Aber: Die höheren Gehälter muss man immer gegen die Lebenshaltungskosten rechnen. Zürich zum Beispiel gehört zu den teuersten Städten der Welt. Miete, Lebensmittel und vor allem die Krankenversicherung – die man privat abschließen muss, weil es keine gesetzlichen Kassen wie in Deutschland gibt – können das gute Gehalt ganz schnell schmälern.
Wer nicht zwingend in einer Großstadt leben muss, ist deshalb in Städten wie Winterthur, Luzern oder St. Gallen besser aufgehoben. Dort ist das Leben günstiger, aber man hat trotzdem ein gutes Lohnniveau.
Wer wissen möchte, wo man mit dem eigenen Beruf in Deutschland steht, findet über die Gehaltsspannen nach Berufen einen guten Ausgangspunkt für den Vergleich.
Der Bewerbungsprozess ähnelt dem deutschen, hat allerdings einige Eigenheiten, auf die man achten muss. In der Schweiz werden von Anfang an vollständige Unterlagen erwartet: Anschreiben, Lebenslauf, Foto und Arbeitszeugnisse auf einmal. In Deutschland reicht zum Einstieg oft eine kurze Mail mit Lebenslauf.
Das Bewerbungsfoto gilt in der Schweiz nach wie vor als Standard. Anders dagegen in Deutschland, wo es immer öfter wegfällt. Und Referenzen spielen eine große Rolle. Wer frühere Vorgesetzte angeben kann, die auf Nachfrage Auskunft geben, macht damit einen deutlich professionelleren Eindruck.
Wer in die Deutschschweiz zieht, also beispielsweise nach Zürich, Bern oder Basel, kommt mit Hochdeutsch gut durch. Im Alltag hört man allerdings oft Schweizerdeutsch, ein Dialekt, der sich sogar von Kanton zu Kanton unterscheidet. Am Anfang versteht man nicht alles, nach ein paar Wochen legt sich das aber meistens. Wer in die Westschweiz oder ins Tessin möchte, braucht Französisch beziehungsweise Italienisch.
Der Wohnungsmarkt ist, ähnlich wie in Deutschland, hart umkämpft. Vor allem in Zürich sind bezahlbare Wohnungen rar. Man sollte wirklich früh mit der Suche beginnen und einen Nachweis der Bonität parat haben, weil Vermieter da besonders genau hinschauen. Wer schon einen Arbeitsvertrag vorweisen kann, hat einen klaren Vorteil.
Steuern: Wer mit B-Bewilligung einwandert, der Standard für neu eingereiste Deutsche, zahlt die sogenannte Quellensteuer. Die wird automatisch vom Arbeitgeber vom Gehalt abgezogen, ähnlich wie in Deutschland. Eine eigene Steuererklärung ist damit zunächst nicht nötig. Wer nach einigen Jahren die C-Bewilligung bekommt, wechselt ins ordentliche Steuersystem: Dann kommt das Bruttogehalt aufs Konto und man zahlt die Steuern selbst, so wie die Schweizer. Was in beiden Fällen gilt: Die Steuerlast variiert je nach Kanton erheblich. Das kann man bei der Wahl des Wohnorts ruhig mit einkalkulieren.
Soziales Netz: Das Schweizer Sozialsystem ist solide, funktioniert aber anders als das deutsche. Das Kindergeld heißt dort Kinderzulage und wird direkt vom Arbeitgeber ausgezahlt. Die Altersvorsorge läuft über das sogenannte Drei-Säulen-System, das sich ganz wesentlich vom deutschen Rentensystem unterscheidet.